OSTERGRUSS

OSTERGRUSS

Liebe Schwestern und Brüder!

„Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“
Mit diesem Gruß der ersten Christen möchten wir euch zu diesem Osterfest herzlich grüßen.
Die Passionszeit – die Leidenszeit – die mit Karfreitag ihren Höhepunkt gefunden hat, ist mit Ostern vorbei.
Passionszeit war heuer nicht nur im kirchlichen Jahresablauf die Zeit, in der besonders an das Leiden und Sterben Jesu gedacht wurde, sondern eine spezielle Leidenszeit für sehr viele Menschen auf der ganzen Welt.
Die enormen Leiden der vielen Armen, Hungernden und Flüchtlinge werden weitgehend überdeckt von der Corona-Pandemie.

Ein Schreckensszenario hat sich aufgetan.

Alleine in Österreich sind tausende Menschen infiziert, hunderte sind daran gestorben.
Tragisch ist aber auch der Einschnitt im wirtschaftlichen, im kulturellen und gesellschaftlichen Leben.
Eine sehr große Zahl von Menschen wurde plötzlich arbeitslos, viele Unternehmen mussten ihre Betriebe schließen.
Soziale Kontakte wurden weitgehend eingestellt.
Wie wird es weitergehen? Eine große Unsicherheit und Zukunftsangst beherrschen die Gedanken vieler Menschen,

Wir haben alles in ein neues Leben investiert, doch jetzt ist alles aus.
So ähnlich mögen die Gedanken der Jünger Jesu unter dem Kreuz gewesen sein.
Es gibt keine Zukunftsperspektiven – oder doch?
Die Trauer, die Enttäuschung und die Verzweiflung waren so stark, dass die Osterbotschaft keine Freude brachte, sondern nur Ablehnung und Zweifel. Von den Frauen, die den Auferstandenen am Ostermorgen zuerst trafen, wird berichtet:
„Sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich.“ (Markus 16,8)

„Ja, irgendwie wird es weitergehen – aber wie?“
Eine resignierende Einstellung ohne Zukunftsperspektive.

Die beiden Jünger, die am Nachmittag des Auferstehungstages auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus waren, bringen dies deutlich zum Ausdruck:
„Wir haben gehofft, er sei es, der Israel erlösen werde“ (Lukas 24, 21) – und damit auch uns.

Die Jünger sind auf dem Weg zurück in ihr altes Leben, wissen aber, dass es dieses alte Leben nicht mehr wie bisher gibt. Sie können den auferstandenen Jesus, sie können den Weg in ein neues Leben in diesem Moment nicht erkennen.

Trauer, Leid, Zukunftsangst nehmen uns oft den Blick auf die frohmachende Botschaft von Ostern.
Die Auferstehung Jesu ist eine Einladung zum Leben mitten in der Tragik und Verzweiflung der Welt. Zukunftshoffnung und Kraft für den Alltag gehen von dieser Osterbotschaft aus.
Nicht Krankheit, Leid oder Tod bestimmen das Leben jener Menschen, die im Glauben an Jesus Christus leben, sondern die gewisse Zuversicht, dass er bei uns ist „alle Tage bis an das Ende der Welt!“

Wir wünschen zu diesem Osterfest alles erdenklich Gute. Alle mögen von der Infektion verschont bleiben oder schnell genesen! Die Verbundenheit untereinander soll bleiben, auch in diesen schwierigen Zeiten. Wir sehen gerade jetzt, wieviel uns Nähe bedeutet und wie schwierig vielen die Distanz fällt, die wir einhalten müssen; auch, dass uns zu unserem Schutz Grenzen gesetzt werden, die unsere gewohnte Freiheit einengen.
Dankbar sehen wir, wie viele Menschen sich jetzt außerhalb der Familie um ihre Nächsten kümmern, wie Initiativen entstehen, um anderen im täglichen Leben zu helfen.

Wir wünschen allen den freien Blick auf ein neues Leben, getragen von der Hoffnung und vom Glauben an den auferstandenen Jesus Christus.

Wir danken euch für das Durchhalten, das Mithelfen und das Mitbeten.

Gott segne euch!

Christa Grabenhofer                                         Manfred Koch
Superintendentialkuratorin                               Superintendent

 

 

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